|
Westchina und die Strategie
„Go West“
Unter
Westchina werden die folgenden 12 Provinzen, Städte und autonomen Gebiete
zusammengefasst: Sichuan, Chongqing, Guizhou, Yunnan, Guangxi, Tibet,
Shaanxi, Gansu, Qinghai, Ningxia, Xinjiang und die Innere Mongolei. In
dieser Region leben auf einer Fläche von 6,85 Millionen Quadratkilometern,
das sind 71,4% der Gesamtfläche Chinas, rund 400 Millionen Menschen (28,1%
der Gesamtbevölkerung), das Bruttoinlandsprodukt betrug 2007 1.665,5
Milliarden Yuan, d. h. 17,1% des chinesischen BIP insgesamt. |
 |
|
Die
Westgebiete verfügen über reiche natürliche Ressourcen. Die Energie- und
Bodenschatzressourcen in den Westgebieten sind ebenfalls beträchtlich:
Wasserkraft, Erdöl und Erdgas, Kohle, seltene und Buntmetalle, Kalium und
Phosphor. Unter den erkundeten Vorräten machen die Kohlevorkommen in den
Westgebieten 36% der landesweiten Lagerstätten aus, bei Erdöl sind es 12%,
bei Naturgas 53% und im Bereich Wasserkraft sogar 82,5%.
Aufgrund der natürlichen Gegebenheiten, der Geschichte und einiger
gesellschaftlicher Faktoren fand in Westchina nur eine sehr langsame
Entwicklung statt, die Region ist relativ rückständig. Die Mehrheit der sehr
armen Menschen in China lebt in dieser Region. Neben den Han-Chinesen leben
in den Westgebieten insgesamt 51 nationale Minderheiten. Damit gilt
Westchina als das Gebiet mit der konzentriertesten Besiedlung durch
nationale Minderheiten des Landes.
Im
Juni 1999 stellte Jiang Zemin, Generalsekretär der KP Chinas, das Konzept
der beschleunigten Erschließung Westchinas vor, wobei vor allem durch
politische Maßnahmen in- und ausländisches Kapital und Fachkräfte zur
Erschließung Westchinas herangezogen und gezielt die koordinierte
Entwicklung der Bevölkerung, der Ressourcen, der Umwelt sowie der Wirtschaft
und Gesellschaft in diesem Gebiet gefördert werden sollen. Bis zur Mitte des
21. Jahrhunderts soll Westchina verstärkt modernisiert werden, so dass die
derzeit noch existierenden regionalen Unterschiede reduziert werden.
Die
im Dezember 2000 durch den Staatsrat der VR China veröffentlichte
„Mitteilung über politische Maßnahmen zur Durchführung der Entwicklung
Westchinas" umfasst folgende Hauptinhalte: beschleunigter Aufbau der
Infrastruktur, verstärkter Schutz der Umwelt und ihre Sanierung, Entwicklung
von Wissenschaft, Technik, Bildung, Kultur und Gesundheitswesen. Dafür
werden verstärkt finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, es werden
politische Maßnahmen zur Verbesserung des Investitionsumfeldes, des Ausbaus
der Öffnung nach innen und außen ergriffen, darunter Vergünstigungen für
ausländische Investitionen, Steuervergünstigungen u. a.
Nach
ersten Schätzungen konnte das regionale Bruttoinlandsprodukt Westchinas im
Jahr 2008 ein Wachstum von 12,4 % gegenüber dem Vorjahr verzeichnen, das
somit um 0,7 % über dem Durchschnitt aller Regionen und 1,2 % über dem
Wachstum in den östlichen Gebieten lag. Der Export nahm um 35,8 % im
Vergleich zum Vorjahr zu, die Steigerungsraten lagen um 18 % über dem
Landesdurchschnitt.
Durch
die verstärkte Förderung der Entwicklung Westchinas soll erreicht werden,
dass in den westlichen Regionen – genau wie im ganzen Land – im Jahr 2020
die Bedingungen für den Übergang zum „kleinen Wohlstand“ geschaffen werden.
Am
15. Februar dieses Jahres fand in Yunnan eine Konferenz zur Bewertung der
Ergebnisse der deutsch-chinesischen Kooperationsprojekte des Büros für die
Erschließung Westchinas bei der Kommission für Entwicklung und Reformen
sowie der GTZ statt. Zwischen der GTZ und Westchina gibt es bereits seit 26
Jahren Kooperationen, die vor allem im Hinblick auf den 10. Jahrestag des
Programms der Erschließung der Westregionen weitergeführt werden sollen.
|